28.04.19 – Marko Best – 1. Petrus 1, 3-9

Predigt am 28.04.2019 über 1. Petr. 1, 3-9

Kanzelgruß: Die Gnade Gottes und die Liebe Jesu Christi und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Wenn das so weitergeht, gehen viele Jugendliche wohl die nächsten Jahre freitags nicht mehr in die Schule. Gut, Heiko, der ein oder andere Lehrer dann ja wohl auch nicht.

„Fridays for future“ heißt die Bewegung mittlerweile. Tausende von Schülern gehen Woche für Woche auf die Straße, um für den Klimaschutz zu kämpfen. 73 Streiks waren es vergangenen Freitag in ganz Deutschland. 19 Wochen in Folge dauert das nun schon an. Angeführt werden die meist streikenden Jugendlichen vom Idealismus einer kleinen Schwedin namens Greta Thunberg (Tünbärj).

Ihre Aktivitäten beruhen auf „Fakten“ wie die junge Frau mit Asperger-Syndrom (einer Form von Autismus) immer wieder betont. Vielleicht liegt es an dieser Wesensart, dass sie so beharrlich und vehement für eine bessere Zukunft kämpft. Die Politik tue zu wenig für den Klimaschutz und handle unverantwortlich. Insbesondere ihr Heimatland Schweden nimmt sie als reiches Land in die Pflicht die Treibhausgasemissionen rapide zu senken.

Was steckt dahinter?

Geht es um eine bessere Zukunft? Was auch immer besser heißt?

Welche Hoffnung ist der Motivator? 

Welche düsteren Zukunftsaussichten sind in den Köpfen? Denn es bleibt nur noch die wage Hoffnung darauf den Planeten durch Klimaschutzmaßnahmen zu retten.

Aber diese Hoffnung ist derzeit mehr als brüchig.

Man ist abhängig von der Politik. Die sind für MEINE Zukunft verantwortlich. Wenn sie nichts unternehmen, dann ist MEINE Zukunft gefährdet. So zusammenfassend der Tenor.

Was ein bedrückendes Szenario einer scheinbar machtlosen, demonstrierenden Minderheit!

Was ist denn mit deiner persönlichen Zukunft? DEINER Hoffnung?

Machst du dir auch Gedanken um das Klima? Und würdest am liebsten bei den Streiks mitlaufen?

Machst du dir Gedanken um die Renten- und Pensionslücke? …um deine finanziellen Möglichkeiten im Moment?

Machst du dir Sorgen, um deine Zukunft und um die Zukunft deiner Ehe, deiner Familie und deiner Kinder?

Willst du in deinem Leben nicht auch (noch) was erreichen? Nach dem Motto eines beliebten Vorstellungsgesprächsklassikers „Wo sehen sie sich in 5 Jahren?“ Hoffst du, dass dann alles besser ist?

Willst du auch Spuren hinterlassen? So dass man sich später mal an dich erinnert? Nach dem Motto, „hier ruht Hänschen, der Großes geleistet hat!“

Oder besser noch, wenn man deinen Namen googelt, dann sollte man auch in 10 Jahren mehr finden, als ein paar Instagram-Bilder von netten Ausflügen und vollen Essenstellern 😉

Ist das deine Hoffnung auf eine für dich bessere Zukunft?

Versteht mich nicht falsch, es ist nichts Schlechtes daran, sich Gedanken um die Zukunft zu machen. Darum, wie es weitergeht und was noch alles vor einem liegt.

Oftmals zeigt sich das aber in einem innerlichen Gehetztsein, Getriebensein, in Unruhe und Gereiztheit, in Aktionismus und Unzufriedenheit.

In einem Jagen nach eigens gesteckten Lebenszielen in der wagen Annahme, dass dadurch irgendwann mal alles besser wird… Das heißt nichts anderes als ein JAGEN NACH HOFFNUNG!!!

Wenn ich doch ein bisschen mehr Geld hätte, dann… Wenn sich doch mein sehnlichster Wunsch erfüllen würde, dann… Wenn ich doch endlich diese Stelle hätte, dann…

Wir fahren ja oft nach Dänemark in den Sommerurlaub. Manchmal wünsche ich uns ein wenig mehr „Hygge“. DIE dänische Lebensart der Gelassenheit und annehmenden Wohlfühlatmosphäre mit dem Gedanken: es ist gut, wie es ist.

ABER dabei bleibt es nicht. Bei dem „ Es ist gut so wie es ist“, sondern der Predigttext von heute geht da glücklicherweise noch einen ganzen Schritt weiter.

3. Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! In seinem großen Erbarmen hat er uns neues Leben geschenkt. Wir sind neu geboren, weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, und jetzt erfüllt uns eine lebendige Hoffnung. 4. Es ist die Hoffnung auf ein ewiges, von keiner Sünde beschmutztes und unzerstörbares Erbe, das Gott im Himmel für euch bereithält.

5. Bis dahin wird euch Gott durch seine Kraft bewahren, weil ihr ihm vertraut. Und so erfahrt ihr schließlich seine Rettung, die am Ende der Zeit für alle sichtbar werden wird. 6. Darüber freut ihr euch von ganzem Herzen, auch wenn ihr jetzt noch für eine kurze Zeit auf manche Proben gestellt werdet und viel erleiden müsst.

7. So wird sich euer Glaube bewähren und sich als wertvoller und beständiger erweisen als pures Gold, das im Feuer gereinigt wurde. Lob, Ruhm und Ehre werdet ihr dann an dem Tag empfangen, an dem Christus für alle sichtbar kommt.

8. Ihr habt ihn nie gesehen und liebt ihn doch. Ihr glaubt an ihn, obwohl ihr ihn auch jetzt nicht sehen könnt, und eure Freude ist herrlich, ja, grenzenlos, 9. denn ihr wisst, dass ihr das Ziel eures Glaubens erreichen werdet: die Rettung für alle Ewigkeit.

1. Petrus 1, 3-9

Wir kommen von Ostern und die Botschaft ist uns noch in den Ohren und vor Augen. JESUS LEBT!

Deswegen und in diesem Zusammenhang spricht der Schreiber hier von „Lebendiger Hoffnung“. „Jetzt erfüllt uns eine lebendige Hoffnung.“ Das heißt nichts anderes, als das Jesus der Grund unserer Hoffnung ist. Weil er lebendig ist. Er hat den Tod besiegt. Er ist unsere Hoffnung in Person.

Hier steht nicht nur einfach schlicht „Hoffnung“. Hier ist auch schon garnicht von „Toter Hoffnung“ die Rede. Was soll das auch sein? Das wäre ja eine Hoffnung, die keinen Wert hat. Eine Hoffnung, die keinen Sinn ergibt.

Genau das Gegenteil ist der Fall. Hier geht es um Agiltität, um Antrieb, um Lebendigkeit und um das Leben in Person. Jesus ist das Leben. Jesus ist die Hoffnung.

Und das macht mich lebendig.

Ich bin nicht mehr im Tod gefangen. Jesus ist meinen Tod gestorben. Er, der Tod, hat keine Macht mehr über mich und mein Leben. Ich bin lebendig. Mit Hoffnung. Mit lebendiger Hoffnung.

Hier steht sogar „Neu geboren hin zu einer lebendigen Hoffnung“. Wiedergeboren, wie es in einer anderen Übersetzung heißt, finden wir in der Bibel garnicht so oft. Zentraler Punkt. Und je länger ich darüber nachdachte, um so beeindruckender sind diese dichten Verse. Im Übrigen eine komplexe griechische Ausdrucksweise, die Petrus selbst wahrscheinlich nicht gebraucht hätte. Aber in ihrer Dichtigkeit bringt sie die Grundlage unseres Lebens auf den Punkt.

Was heißt also „neu geboren“?

Im Grunde genommen ist das zunächst recht simpel. Bei einer Geburt hat jemand Schmerzen erlitten, damit ich leben kann. Bzw. ein Leben anfangen kann. Und hier werde ich nochmal geboren. Ich werde zu einem neuen Menschen. Ich darf von Neuem anfangen. Die entscheidenden Aspekte werden auf Null gesetzt. Alles auf Reset. Meine Festplatte der wesentlichen Dinge (ein Vergleich für die Computeraffinen unter euch) wird formatiert und kann neu beschrieben werden.

Wozu das Ganze? Ausschließlich neu geboren zu einer lebendigen Hoffnung. Mit dem Ziel JESUS. Das ist dann meine Hoffnung! Das ist das, was die Zukunft bringt und sie noch besser werden lässt.

Das erinnert mich an den Familiengottesdienst in Edingen vor nicht allzu langer Zeit.

Mein Platz im Himmel ist mir sicher. „Es ist die Hoffnung auf ein ewiges, von keiner Sünde beschmutztes und unzerstörbares Erbe, das Gott im Himmel für euch bereithält.

5 Bis dahin wird euch Gott durch seine Kraft bewahren, weil ihr ihm vertraut. Und so erfahrt ihr schließlich seine Rettung, die am Ende der Zeit für alle sichtbar werden wird. „

Mein WG-Platz ist gesichert. Mein Bett aufgebaut, mein Zimmer eingerichtet. Das kann mir niemand mehr nehmen. Wie die 16000€-Stufe bei klassischen Wer wird Millionär?.

Das habe ich sicher. Da kann ich mir sicher sein.

Und das ist meine Zukunft! Ohne Anstrengung. Ohne Getriebensein. Ohne Angst und Sorge. Mit ganz viel Gelassenheit, Ruhe und Zufriedenheit. Eben mit viel Hygge.

Aber im Gegensatz zu einem dänischen Lebensgefühl nicht nur im Augenblick, sondern mit dem Ausblick auf eine sichere, prächtige Zukunft, die keinerlei Demos braucht, um Menschen dazu zu bewegen ihre Verantwortung für MEINE Zukunft zu übernehmen. Das kann ich ganz alleine.

Das ist auch kein Gefühl und nichts Emotionales, das je nach meiner persönlichen Stimmung schwankt. Es ist eine rationale und bewusste Entscheidung für Jesus und mit dieser Hoffnung fest zu rechnen und zu leben.

Welche Auswirkungen eine bewusste Entscheidung zur Hoffnung haben kann, zeigt folgende kleine Begebenheit: Ein heißer Sommertag. Selbst im Schlachthof durften die Mitarbeiter T-Shirts tragen. Am Ende des Arbeitstages, alle anderen MA hatten bereits Feierabend, ging Hans ein letztes Mal in den frostigen Kühlraum, um nach dem Rechten zu sehen. Die Tür fiel hinter ihm zu. Eine Möglichkeit die Tür von innen zu öffnen, hatte dieser in die Jahre gekommene Kühlraum nicht. Er musste notgedrungen in Sommerkleidung die Nacht im Kühlhaus verbringen. Sein sicherer Tod. Und so kam es, wie es kommen musste. Seine Kollegen fanden in am darauffolgenden Morgen tot im Kühlraum liegend.

Logische Folge, denkt man. Weit gefehlt, denn noch am selben Morgen fand man heraus, dass das Kühlaggregat des Kühlraums just am gestrigen Abend seinen Geist aufgegeben hatte. Der Mann hätte also zumindest nicht an Unterkühlung sterben müssen. Aber offensichtlich an fehlender Hoffnung!!!

Wir haben eine Hoffnung. Und zugesprochen die „volle Rettung“. Wir haben eine „Lebendige Hoffnung“, die trägt..zum Ziel hin.

Was ist aber jetzt, wenn Dinge auf mich hereinbrechen, die mir diese Zuversicht nehmen, die mir Hoffnung zunichte machen wollen, die mich davon abbringen wollen voller Vertrauen weiter mit diesem guten Gefühl einer sicheren Zukunft zu leben?

Finanzielle Schwierigkeiten, die mir zu schaffen machen, mich entmutigen und belasten.

Eine niederschmetternde Diagnose oder eine Krankheit, mit der ich nicht fertig werde und die mir den Boden unter den Füßen wegzieht.

Eine langjährige Beziehung, die zerbricht und im Streit auseinandergeht. Unter der nicht nur die Partner leiden.

Wenn sich meine innigsten Träume und Pläne, die nicht abgehoben oder utopisch sind, einfach nicht erfüllen wollen.

V6.       „…Wir müssen für kurze Zeit leiden und werden auf verschiedenste Proben gestellt“

Wie steht es dann ganz praktisch um mein Leben? Meine Perspektive? Meine Hoffnung?

Und dabei fällt mir immer wieder das Bild der Steinplame ein [Palme holen].

Als die Palme noch klein und zierlich war, stand sie am Strand und genoss die Sonne. Man sagt, eines Tages habe ein frustierter Mann, der mit seinem eigenen Leben gehadert hat, vor lauter Wut einen dicken Stein genommen und auf die kleine Palme geworfen, damit sie auch leide. Die Palme beschloss, sich nicht zu ergeben, sondern nach Auswegen zu suchen. Sie stemmte sich mit aller Kraft in den Boden und schlug ihre Wurzeln noch tiefer in den Sand. Sie streckte sich aus nach dem, was da unten auf sie wartete. Das wusste sie. Wasser. Bis sie irgendwann auf genau dieses Wasser stieß. Ihr Lebenselexier. Dadurch bekam sie die Kraft und die Stärke den Stein beim Wachsen mit in ihre Krone einzubetten und mit ihm zu leben. Abschütteln konnte sie ihn nicht. Aber sie wuchs und wuchs, wurde stärker und stärker. Zur mächtigsten und prächtigsten Palme am ganzen Strand.

Ich finde das ein sagenhaftes Bild, um mit Schwierigkeiten und Rückschlägen umzugehen. Sich auszustrecken nach dem Wasser, nach Jesus. Von ihm die Kraft zu bekommen, die ich brauche. Nicht um meine Last abzuschütteln, sondern mit ihm zu tragen. Das ist die Hoffnung, von der wir heute morgen sprechen.

Die Tochter eines sehr guten Freundes ist vor Jahren im Alter von 9 Monaten gestorben. Ich schenkte ihm diese Geschichte und die Palme. Sie stand mit einem Stein in der Krone jahrelang auf der Fensterbank. Ich weiß nicht, ob es ihn und seine Familie stärker gemacht hat. Aber mit Sicherheit hat es ihnen geholfen damit umzugehen und letztlich zu leben.

Unser Text geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht in Vers 6 davon, dass wir wegen dieser Hoffnung, wegen dieser rosigen Zukunft und trotz Rückschlägen und Leiden, „voll Freude“ sein sollen. Vers 8: „Jubeln mit unaussprechlicher und herrlicher Freude“

„Freude, die von innen kommt. Freude, die mir niemand nimmt…!“, so heißt (hieß) es in einem Lobpreislied.

Kennt ihr das. Diese Vorfreude, weil man die Pointe eines Witzes kennt und sich beim Erzählen schon drauf freut.

So, wie Emilia sich bei einem vorbereiteten Streich schon innerlich freut, wenn er funktioniert. Neulich hat sie eine Spinne auf das Toilettenpapier gemalt. Sie hat sich gefreut. Voller Vorfreude!

Und genau das ist gemeint.

Das kann nicht heißen mit Dauergrinsen rumzulaufen. Das kann nicht heißen, ohne Hadern, Zweifel und Trauer durchs Leben zu gehen.

Aber es heißt, ganz praktisch:

Lebe immer (!) mit der Gewissheit, dass alles gut ist und wird!

Vor zwei Wochen fragte ich meinen Schwager lapidar im Vorbeigehen, ob alles gut sei. Es sagte, „nicht alles!“ Das hat mich zum Denken gebracht, zumindest als ich den Text hier las. Denn in Wahrheit ist „alles gut!“ Und das ist sicher! Zumindest diese Grundhaltung und tiefste Überzeugung dürfen wir haben.

Lebe immer, in jeder Situation damit, dass du eine „lebendige Hoffnung“ hast. Du hast Gottes Feuer in dir, das niemals verlischen wird. Du hast Gottes Geist, der dich antreibt und aufrichtet. Der dir immer wieder deine Perspektive zeigt.

Aus der „Lebendigen Hoffung“ erwächst, sich nicht abzufinden und zufrieden zu geben mit dem Status quo, mit dem, wie es im Moment ist. Dies Hoffnung fordert und heraus zum einem Engagement, das nicht von uns herrührt. Nicht aus uns heraus erwächst, sondern sich in Jesus gründet. In Lebendigkeit und Leben, in Einsatz und Brennen, in Lachen und Weinen. In einem wunderbaren von Jesus erfüllten Leben.

Und das ist so spannend, das ein paar Verse später da steht, dass sich danach schon die Propheten ausgestreckt haben und das ist ein Geheimnis, auf das, so steht es in V. 12, „selbst die Engel brennen, etwas davon zu erfahren!“

Also:

gehe gelassen, entspannt und ruhig in die nächste Woche, denn du hast immer ein „lebendige Hoffnung“. Das entspannt, aber fordert uns auch heraus…

nimm Rückschläge hin und an, weil du weißt, es macht dich stärker

Und sei voller Freude und innerlichem Lachen, weil du dir sicher sein kannst, was auf dich wartet. Deine Zukunft ist sicher!

Zum Abschluss lese ich unseren Predigttext nochmal für dich:

„In seinem großen Erbarmen hat er dich neu geboren und mit einer lebendigen Hoffnung erfüllt. Diese Hoffnung gründet sich darauf, dass Jesus für dich vom Tod auferstanden ist. Sie richtet sich auf das Leben, das Gott schon jetzt im Himmel für dich bereit hält. Wenn du Gott fest vertraust, wird er dich durch seine Macht bewahren, so dass du volle Rettung erlangst, die am Ende der Zeit offenbar wird. Deshalb sei du voller Freude, auch wenn du jetzt für kurze Zeit leiden musst und auf verschiedenste Proben gestellt wirst. Das geschieht nur, damit dein Glaube sich bewähren kann, als festes Vertrauen auf das, was Gott dir schenkt und noch versprochen hat.“

AMEN