18.11.18 – Armin Kistenbrügge – Volkstrauertag

Predigt vom 18.11.18 von Armin Kistenbrügge am Volkstrauertag

Predigt über Offenbarung 2,8-11: „Heil dir im Siegerkranz“

Armin Kistenbrügge, am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres (Volkstrauertag), 18.11.2018 in Greifenstein und Edingen

Liebe Greifensteiner (Edinger) Geschwister,

(Ich nehme einen ungeschmückten Kranz von Blumen Martin mit nach vorne) Wisst ihr, was das ist? Ein Kranz, klar. Aber was für einer? Kann man jetzt noch nicht sagen. Könnte irgendwie ja beides werden: Entweder ein Kranz für den Volkstrauertag, für das Denkmal draußen. Ein Trauerkranz. Für den Friedhof. Mit Schleife dran: „Wir werden dich nie vergessen“.

Man kann aber auch vier rote Kerzen draufstecken. Dann wird aus Trauer Trost. Ein Adventskranz. Ein Kranz der Hoffnung, dass noch was Neues kommt. Nach der Trauer. Dass das Leben trotz allen Verlustes noch weitergehen kann, sogar neu anfangen kann.

Wie in dem Adventslied, das man auch am Volkstrauertag singen könnte: “Noch manche Nacht wird fallen/ auf Menschenleid und – schuld. Doch wandert nun mit allen/ der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte/ hält euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte/ kam euch die Hilfe her.“ (EG 16,4)

Das Lied hat der deutsche Dichter Jochen Klepper in einer Zeit gedichtet, als der zweite Weltkrieg unmittelbar bevorstand. 1938. Vor 80 Jahren. Und er keinen Platz zum Leben und zum Glauben mehr fand, und keinen Ausweg: Seine Frau war Jüdin, und Jochen Klepper war nicht bereit, seine Frau zu verlassen. Und damit auch seinen Glauben zu verraten. Er ist bei ihr geblieben, hat ihr die Treue gehalten, ohne eine Lösung zu haben, ohne einen Ausweg zu wissen, bis zum Schluss.

Das geht oft Hand in Hand: Zur Herrschaft der Gewalt kommt immer die Unterdrückung der Freiheit. Und der Krieg gegen die Wahrheit. Gerade auch die des Glaubens.  Ich möchte mit euch heute am Volkstrauertag nochmal daran denken, dass es – auch in unserem Land! – nicht selbstverständlich ist, in Frieden zu leben. Dieser Frieden dauert nun schon so lange, dass Opas wieder mit ihren Enkeln spielen können; dass du eine Kapital-Lebensversicherung abschließen kannst, die eine Laufzeit von 40 Jahren hat und einfach so davon ausgehst, dass dein Land so lange stabil bleibt. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass dich kein Gesetz zwingt, Hurra zu brüllen, wenn der Herrscher durch die Straßen fährt und stattdessen das Wort ,Halleluja’ auf den Index kommt und ihr eure Kirche zumachen müsst, weil daraus eine Traktorenhalle werden soll, oder ein Kulturtempel für die Anbetung irgendeines Götzen der Macht oder des Kaufrausches, wenn der Besitz einer Bibel ein Wagnis ist und dich richtig in Schwierigkeiten bringt.

Woanders ist das so. Und zu anderen Zeiten war das auch so: Wenn eine ihr Leben in die Hand von Jesus legen wollte, gabs dafür keine Vorteile, Karrierechancen, Mitgliedschaft im Club der Etablierten, gute Ausbildung und wartenden Wohlstand. Auf die wartete Stress und Diskriminierung. Das sagte der Bischof den neuen Katechumenen, die sich taufen lassen wollten. Wer in der jungen Geschichte des Christentums dieses Bekenntnis ablegte, ging bewusst nicht den Weg des geringsten Widerstandes. Der legte sich mit den Behörden an und musste mit Ärger rechnen. Heute ist die Bekehrung zu Jesus im Iran oder in Saudi-Arabien – die gibt’s! – ungefähr so komfortabel, als würde man sich mit Senf und Ketchup einzuschmieren, wenn man den Tiger füttern geht.

In so eine Situation gehört der Predigttext von heute. Er ist aus dem Buch der Offenbarung, Kapitel 2, Verse 8 bis 11 und redet mit den Menschen aus der kleinasiatischen Gemeinde in Smyrna. Ein Brief zur Stärkung für die Verfolgten, für die schon ihr Trauerkranz bestellt ist. Johannes schreibt: „Schreibe an den Engel der Gemeinde in Smyrna:So spricht der Erste und der Letzte, der tot war und wieder lebt:Ich kenne dein Leid und deine Armut. Aber eigentlich bist du reich. (…) Hab keine Angst vor dem Leiden, dass dir noch bevorsteht.Sieh doch: Der Teufel beabsichtigt, einige von euch ins Gefängnis zu werfen. Denn er will euch auf die Probe stellen. Zehn Tage lang müsst ihr Leid ertragen. Bleib treu bis in den Tod, dann werde ich dir den Siegeskranz des ewigen Lebens geben. Wer ein Ohr dafür hat, soll gut zuhören, was der Geist Gottes den Gemeinden sagt: Wer den Sieg erringt, dem kann der zweite Tod nichts anhaben.“

Wir werden nicht verfolgt. Wenn du es ernst meinst und andere von dir wissen, dass du Christ bist, wirst du vielleicht belächelt. Aber in unsere Jungschar kommt kein Kind, wo der Papa, der IM bei der Stasi ist, fragt, was ihr da so macht und sagt und singt. Oder er ist bei der AfD und fragt seinen Steppke, ob der Jugendleiter was gegen die Partei und für das Mitgefühl gegenüber Flüchtlingen sagt und stellt das ins Hass-Forum im Internet.

Trotzdem ist dieses Stück Bibel nicht weit weg, finde ich. Vielleicht spricht das auch zu dir: Wenn dir ein Gang bevorsteht, vor dem dir graut. -Deshalb frage ich dich: Bist du bereit? Für das, was ich euch jetzt eröffne: Denn dir wird das Leid nicht erspart bleiben. Niemandem von euch. Auch mir nicht.

Es gibt Sachen, die kann keiner wissen, aber man glaubt dran. Und es gibt Sachen, da ist es umgekehrt: die weiß jeder, aber glauben kann man sie so schwer: Dass uns allen dieser Gang durch das Leiden nicht erspart bleibt. „Hab keine Angst vor dem Leiden, das dir noch bevorsteht“, sagt Johannes. Das ist ein bisschen so wie beim Arzt, der dem Patienten die bittere Wahrheit sagt: „Ich sags ihnen, wie es ist:Sie haben jetzt sechs Mal Chemo vor sich.“ Kennst du die Situation? Wie gehst du damit um: mit Leiden?

Der eine hat so viel Angst davor, der ist fast unheilbar abergläubisch: „Man darf das Unglück nicht beschreien!“ Nicht in den Mund nehmen, den Teufel an die Wand malen, sonst kommt er gleich! Genau das ist die Situation: Die Angst davor, die dich dein ganzes Leben lang antreiben kann: bloß nicht hingucken, bloß nicht ansprechen, bloß nicht aussprechen, das ganze Leben eine Flucht und ein vergeblicher Versuch, immer rechtzeitig die Straßenseite zu wechseln, bevor dir das Leiden über den Weg läuft.

Das steckt in jedem von uns. Deshalb redet die Bibel hier nicht umsonst vom Teufel. “Anfechtung“ sagt die Bibel zu dieser Situation, wo du den Eindruck bekommst, dass irgendjemand ganz oben oder ganz unten gegen dich ist. Gegen dich kämpft. Sich gegen dich verschworen hat.

Dann steht ein bisheriges Leben irgendwie auf dem Prüfstand:Was dich bisher in Atem gehalten hat, wird auf einmal so was von unwichtig:Deine Urlaubsplanung nächstes Jahr. Ob du dir die neuen Schuhe kaufen sollst. Ob die Noten deiner Tochter gut genug sind für den N.C.Ob Bayern Meister wird oder nicht.

Plötzlich hat man den Eindruck, man fällt ins Bodenlose:Was dich bisher getragen hat, gerät ins Rutschen.Auch dein Glaube wird unsicher:Wenn der sichtbare Segen verschwindet, ist Gott dann auch weg? Und alles vorher war nur ein frommer Wunsch, jetzt wo die Wahrheit ans Licht kommt, wenn von dir nichts übrig bleibt als dein Körper, der dir nicht mehr gehorcht?

Gott gibt dir drei Hilfen, damit du dem Leiden standhalten kannst.Damit du den Kopf nicht vorher in den Sand steckst und mittendrin nicht den Glauben und die Hoffnung verlierst.Sie stecken in dem Sendbrief aus der Johannesoffenbarung.

Die erste Hilfe ist ein Wort der Ermutigung von einem, der schon weiter ist als du. Trost und Mut machende Worte, das kann man sich nicht von jedem sagen lassen. Aber wenn du ein Wort von einem hören würdest, der den Tod nicht vor sich hat wie du, sondern schon hinter sich, was wäre dann? Wenn dich jemals das Wort von einem erreichen würde, der von sich sagt: „Ich war tot, und jetzt guck, hier, ich bin lebendig. Ich habs schon hinter mir, den Sprung aus diesem Leben.“ Was wäre dann: Dann würde auch für dich der Tod ein Zwischenstopp. Und wäre keine Endstation mehr. Mit wem Gott wahrhaft geredet hat, für den ist das so! Für den ist ewiges Leben nach dem Tod eine reale Option. Und keine schlappe Metapher fürs Weiterleben in den geschönten Erinnerungen deiner Enkelkinder oder in den Annalen des Obst- und Gartenbauvereins.

Dass dich dieses Wort von dem, der tot war, wirklich erreicht wie ein Brief, der seinen Adressaten findet, das kann sogar heute passieren. Und nicht erst am St. Nimmerleins Tag. Wenn du gerade ein Ohr dafür hast, dass Gott persönlich mit dir redet und du nicht bloß einer mittelmäßigen Predigt versuchst zu folgen. Der Seher Johannes hat seine Worte genau so gemeint. Und sie stehen im letzten Buch der Bibel nicht nur für die Gemeindemitglieder in Smyrna von vor 1900 Jahren. Sondern für dich, damit sich das wiederholen kann.

Das erste ist also ein echtes Trost-Wort; Trost ist in seiner Grundbedeutung was, woran man sich festhalten kann, also dass dir jemand was sagt, und daran kannst du dich festhalten. Richtig fest. Nicht so strohhalm-mäßig.

Die zweite Hilfe ist eine Begrenzung: Die gute Nachricht von Gott für alle, die am eigenen Leibe erfahren, dass das Leben eines der härtesten ist, lautet: Es dauert aber nicht ewig. Dieses Leben. Gott hat das Leiden am eigenen Leib getragen. Und dadurch in seine Grenzen gewiesen. Leiden hat eine Grenze! Es ist nie grenzenlos. Es ist ein Leiden, von dem du weißt: Das dauert nicht ewig, sondern bedeutet für dich 10 Tage Kampf. Oder sechs Chemos. Oder ein Jahr Trauer. Dem kann man sich besser stellen. Da weißt du, was auf dich zukommt. „Morgen um die Zeit wirst du dich nicht mehr winden vor Schmerzen, sondern ein kleines Baby in Händen halten“, das ist eine Perspektive, die Schmerzen in einen anderen Zusammenhang einordnet. Obwohl Wehen zu den heftigsten Schmerzen gehören, die man ertragen kann, hat mir mal eine Hebamme gesagt.

Gott gibt dem Leiden also eine Begrenzung. Das ist das Zweite. Und als dritte Hilfe wartet auf dich eine Belohnung. Was meinst du, zu was du fähig bist, auch leidensfähig, wenn auf dich eine Belohnung wartet, ein Triumph, als würde dich ein Stadion voll Fans anfeuern, damit du es über die Ziellinie schaffst! Im Grunde feuert der ganze Himmel dich so an, trötet dir Mut und Durchhaltevermögen ins Ohr, damit du dich wieder aufrappeln kannst: „Steh auf, wenn du ein Jünger bist, steh auf, wenn du ein Jünger bist“, singen sie im Himmel, während du am Boden liegst und die Depression dich davon abhält, morgens überhaupt noch aus dem Bett aufzustehen. Wenn dein Leben in Trümmern liegt, noch alles schiefgegangen ist, was du jemals angefangen hast. Wenn du das Gefühl, du wärst so allein auf dieser Erde, dass du noch nicht mal Feinde hast, die dich verfolgen.

(noch mal den Tannen-Kranz von Blumen Martin nehmen)Wenn du dich mit Hängen und Würgen über die Ziellinie schleppst oder nur noch getragen werden kannst, wenn du mit nichts kommst, dein letztes Hemd keine Taschen hat, du so arm bist wie du auf die Welt gekommen bist, dann macht Gott aus deinem Trauerkranz zum Schluss einen Siegerkranz. (Vielleicht erinnern sich einige von euch an die Beerdigung von Friedhelm Hedrich, der sich für seine Trauerfeier genau das ausgesucht hatte, als wäre das sein letztes Wort, sein Schlusswort) Den kriegst du umgehängt, wenn du aufs Treppchen steigst. Ich weiß, das sieht bescheuert aus, (der Lothar findet den Hype mit dem Superhelden auch nur begrenzt lustig), man sieht damit ein bisschen unbeholfen aus und mehr beladen als bekränzt. Aber du stehst da oben auch nicht als strahlender Sieger, sondern wie ein glücklicher Verlierer, mit dem der große Siegespreis geteilt wird, weil er zur Siegermannschaft gehört. Dir wird der Siegerkranz fürs Verlieren umgehängt. Fürs Scheitern: daran, dass du dein Leben alleine nicht retten konntest und es deshalb getrost verpfändet hast: an Jesus. Das ist der beste Trostpreis der Welt. Das schöne daran ist wirklich:Den Siegeskranz bekommst du nicht fürs Siegen. Für deine heroische Leistung. Noch nicht mal fürs Kämpfen. Sondern allein fürs Durchhalten. Für deine Treue. „Halte du am Glauben fest, dass dich Gott nicht fallen lässt: Er hält sein Versprechen.“ (Rudolf Alexander Schröder) Amen. (Kanzelsegen)

Short summary

The wreath I showed you could be a funeral wreath, or a Siegerkranz (a victory wreath). It could also be an advent wreath, something that only exist in Germany, you put four candles on it, it symbolizes the 4 weeks of waiting for christ’s coming.

That means: change you suffering into hope! Make your funeral wreath an advent wreath, and later it will be your victory‘s wreath!

We talked about some verses in rev. 3, which said that each one of us will go through a period of suffering. No Fear! Because God gives you 3 things to overcome your suffering: at first you have his word, his promise. And to whom God once has spoken, this one truly lives eternal! Second, he gives suffering a limit. No suffering is endless. And third, you get the promise of a reward in the end. Together with God your life will have a happy ending!