02.12.18 – Armin Kistenbrügge – Besuch bekommen

Lukas 1, 68-79 (das Benedictus)

Am 1. Advent, am 1.12.2018 in Greifenstein und am 2.12.2018 Edingen

(Kanzelgruß)

Liebe Edinger (Greifensteiner) Geschwister! Wir kriegen Besuch! Darum geht’s doch im Advent: Dass man Besuch bekommt, von Gott, der vom Himmel auf die Erde unterwegs ist, nicht wie Santa Claus, sondern wie ein Kind, das unterwegs ist. Und wenn man weiß: Gott ist unterwegs, und er wird kommen, ganz bestimmt, spätestens rechtzeitig wird er da sein, dann hast du Hoffnung: Das wirft auf alles andere ein helles Licht: Dein Rücken tut weh, aber Jesus kommt, und das ist auf einmal wichtiger. Das Geld ist alle, aber Jesus kommt. Und das macht auch was mit deinen Schulden.

Ehrlich gesagt, sehne ich mich nach dieser Art von Vorfreude, die einen wirklich freundlicher werden lässt. Gerade jetzt. Diese Gewissheit: „I’m singing in the rain, Alles wird gut. Spätestens, wenn Jesus da ist.“ Eigentlich möchte ich euch einfach nur das sagen: Gott erfüllt seine Versprechen: „Was der alten Väter Schar, höchster Wunsch und Sehnen war, und was sie geprophezeit, ist erfüllt in Herrlichkeit.“

Aber ich weiß manchmal nicht, ob das wirklich stimmt. Ob wir im Advent nicht nur so tun als ob, so mit „Alle Jahre wieder kommt das Christuskind / auf die Erde nieehieder, wo wir Menschen sind“, und das ist auch gut so ist, dass der Besuch nur gespielt ist, oder ob wir eigentlich wirklich auf was warten sollen. Dass was passiert. Denn was ist eigentlich, wenn das Wirklichkeit wäre: Dass Jesus kommt? Und wir wirklich Besuch kriegen. So wie bei Zacharias, der ja ganz außer sich ist: Die ganze Zeit hat er immer nur von Gott aus dritter Hand gehört. Gott gab es für ihn nur in streng religiösem Zusammenhang, mit Tempel, Opfern, Formeln, Liturgien, die gesprochen werden und die alten Platzhalter für das Kommen Gottes sind, aber dass Gott wirklich greifbar wird, zu Besuch kommt und man ihn ansprechen kann und er direkt antwortet: Ist das wirklich die Erfüllung einer Sehnsucht, oder könnte das einen auch völlig aus der Bahn werfen, so wie Zacharias, dem es die Sprache verschlagen hat? Dass man Gott wirklich begegnet, ihn hört, nicht nur etwas über ihn. Was ist dann eigentlich?

Was löst die Ankündigung bei dir aus? Dass du Besuch bekommst: Vorfreude oder Panik? Wenn man zu Hause seit Urzeiten nicht mehr geputzt hat, kann einen das schon stressen, wenn man hohen Besuch erwartet. Und wenn Gott einem wirklich nahe kommt, wenn er bei dir zu Besuch kommt, dann löst das wirklich beides aus: Freude und Furcht. Und wer vor Veränderung Angst hat, der kriegt sogar Panik. Weil sich dann nämlich was ändert.Wenn Gott dir auf die Pelle rückt.

So ist es doch schon im Umgang mit Menschen:Je weiter die Leute weg sind, desto netter kannst du sie finden. Je näher dir einer kommt, und wenn er mit dir unter einem Dach lebt, hört die Toleranz schnell auf. Dann zeigt sich, ob deine Liebe wirklich trägt. Sag mal, gilt das auch für Gott? Jeder mehr Sicherheitsabstand du zu Gott hast, desto leichter ist es, ihn zu loben und sich auf seine Nähe zu freuen. Aber wenn er dir wirklich nahe kommt: Was ist dann eigentlich?

Was mit einem passiert, bei dem Jesus wirklich zu Besuch kommt, das könnt ihr an dem anderen mit Z im Lukasevangelium sehen: Bei Zachäus. Der sich heimlich danach gesehnt hat und dann vielleicht nicht aus allen Wolken gefallen ist, aber fast vom Baum, als Jesus ihn angesprochen hat: „Zachäus, komm runter, ich bin eingeladen. Bei dir. Zu Besuch.“ Ihr kennt die Geschichte ja: Für Zachäus ändert sich buchstäblich alles mit dieser Begegnung: Der schenkt Jesus nicht nur seine Aufmerksamkeit, sondern stellt ihm sogar sein Geld zur Verfügung. Fängt an, mit seinem eigentlich für Weihnachtsgeschenke gehorteten Geld plötzlich Menschen zu unterstützen.

Neulich, als Pastor Fred bei uns wieder zu Besuch war, ist es mir wieder aufgefallen: Dass es eigentlich merkwürdig ist, dass nicht jeder Christ, der seinen Glauben ernst meint, nicht mindestens ein Patenkind irgendwo unterstützt. Ich meine jetzt nicht bloß durch Weihnachten im Schuhkarton, das ist auch schon gut! Es gibt doch so viele Möglichkeiten. Noch mehr, als es Ausreden gibt. Aber bei uns, in unserer lebendigen Gemeinde, haben längst nicht alle ein Patenkind bei Celebrate Hope. Warum eigentlich nicht?

Und jetzt stellt euch vor: Das würde wirklich jeder Christ machen. Eine Familie in Afrika oder Asien unterstützen. Dass die eine Perspektive haben und was anfangen können.Dann würde es wirklich hell auf diesem Planeten.

Deshalb tue ich mich heute auch schwer damit, mit euch nach praktischen Tipps zu suchen, wie es denn gelingt, dass du Gott mal persönlich im Advent begegnest. Das habt ihr alles schon x mal gehört: Anhalten, mal ne Kerze anzünden, Stille finden, nicht von einer Besinnung zur nächsten hetzen, mehr Maria, weniger Martha, wenn Jesus bei dir zu Besuch kommt, alles richtig. Aber ich habe den Verdacht, dass wir vielleicht den Besuch von Gott nur so lange schön finden, wie er kurz mal bei uns reinschaut und dann wieder geht. Über normalen Besuch freut man sich ja auch zweimal: Wenn er kommt, und wenn er dann auch die Tür nach draußen zur rechten Zeit wieder findet. Das ist bei Gott halt anders. Wo Jesus zu Gast ist, bist plötzlich du der Eingeladene. Es gibt keine Gottesbegegnung ohne Veränderung.

Aber einen Hinweis aus dem Lied von Zacharias habe ich noch: Da steht, dass das Licht aus der Höhe denen erscheint, die im Finstern und im Schatten des Todes sitzen. Im Schatten des Todes sitzen, das heißt doch, in aussichtsloser Lage zu sein. Wenn dir von hinten der Tod im Nacken sitzt. Und dann siehst du ein Licht. Was passiert mit dem Schatten hinter dir? Er verschwindet. Das ist Hoffnung.

Das muss ja nicht heißen, dass Jesus es bei dir erst hell macht, wenn du den Tod im Nacken hast. Wenns bei dir ans Eingemachte geht. Aber wenn Jesus bei dir zu Besuch kommt, gerätst du automatisch auch damit in Berührung. Du gehst der Finsternis nicht mehr aus dem Weg. Und die im Schatten des Todes sitzen, die lösen keinen Fluchtreflex mehr bei dir aus. Denn Jesus hat sie mitgebracht. Wo Jesus zu Besuch kommt, da bringt er immer seine Freunde mit. Die im Schatten des Todes sitzen. Für die er das Licht am Ende des Tunnels ist. Und wenn du den Besuch nicht doch gleich wieder rausschmeißt, dann kommst du damit in Berührung. Mit beiden. Mit Jesus und den Menschen, die Licht brauchen in ihrer Finsternis. Ihr wisst doch: Wer in Gott eintaucht, taucht neben seinem Nächsten wieder auf. Wer Besuch von Jesus kriegt, muss damit rechnen, dass der immer noch einen mitbringt. Der auch was abkriegen soll. Das soll euch überhaupt nicht abschrecken, euch auf den Besuch von Jesus zu freuen:Wer von seinem Licht erleuchtet wird, der fängt sowieso an, dieses Licht weiterzugeben. „Mache dich auf und werde licht.“ Singen wir nachher auch noch. Amen.

(Kanzelsegen)