10.03.19 – Armin Kistenbrügge – Wie findest du Gott?

Im Vorstellungsgottesdienst am 10.3.2019 in Edingen

Liebe Konfis, lieber Eltern, liebe Edinger & Greifensteiner!

Fährt einer durch die Kölner Innenstadt und hat sich verfranst. Und sucht und sucht. Da fragt er nen Polizisten am Straßenrand: „Sagen sie mal, wie komme ich zum Fernsehen?“ Der Polizist: „So schon mal gar nicht. Gehen sie erstmal zum Friseur.“ Nettes Missverständnis. Schlechter Scherz beiseite. Aber ein bisschen so war unsere Frage im Forum ja auch: „Wie finden Sie Gott?“

Das war aber extra. Die Frage sollte ein bisschen überraschend daherkommen. Denn wenn man Gott wirklich findet, ist das immer überraschend und nicht so vorhersehbar: Wo findet man Gott: Im Himmel. Gähn. In der Kirche. – Ach!? Einer hat im Interview ja lapidar gesagt: „Wie soll ich Gott finden, ich seh das Problem nicht, er ist halt da. Punkt. Und wenn man was von ihm will, geht man in die Kirche.“ Ende der Ansage. Andere haben aber genau das Gegenteil behauptet: Wenn überhaupt, dann findet man ihn da auf keinen Fall! Dann schon eher im Wald oder in der freien Natur oder so.

Die Antworten in euren Interviews pendelten zwischen einem selbstverständlichen „Ich muss ihn nur anrufen, wenn ich ihn suche“, bis: „Das weiß keiner.“ Wer Gott finden will, der ist wie einer, der eine schwarze Katze in einem stockfinsteren Raum sucht. Und ab und zu brüllt mal einer: Da! Jetzt hab ich ihn!“

Als wäre das mit dem Glauben so eine Art Schnitzeljagd. Wo Gott sich versteckt hat und für die ganz Eifrigen ein paar Hinweise in die Bibel reingeschrieben hat. Dabei will Gott sich doch finden lassen! Der Konfirmationsspruch von Amon erzählt doch davon: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, dann will ich mich von euch finden lassen.“ Sagt Gott. Das hat der Prophet Jeremia den Leuten im babylonischen Exil erzählt: Die hatten bei ihrer Suche schon fast resigniert, weil sie dachten: „Wir waren einfach zu blöd. Wir haben Gott verloren.“ Nee! Du musst nur mit deinem Herzen suchen.

Aber eine nette Dame aus unserer Gemeinde ist aus Versehen in unser Interview geraten, die hat gesagt: „Gott? Den muss ich eigentlich gar nicht finden. Der findet mich!“

Leute, das ist das Entscheidende an der Gottessuche! Das erkläre ich euch heute.

Wenn ihr Gott finden wollt, dann sucht nicht irgendwelche Antworten. Wenn du bei Google „Gott finden“ eingibst, kriegst du so viele Treffer, dass dein Leben nicht ausreicht, sie bloß aufzurufen! Du kriegst Antworten, jede Menge, und die, die was taugen, werfen auch bloß wieder neue Fragen auf. Und dann geht die Suche immer weiter. Aber du kommst nie bei Gott an. Du bleibst immer auf der Suche.

Gott suchen bedeutet eher, nach der großen Liebe zu fragen. Macht die Sache aber erstmal auch nicht einfacher. Da ist es genauso. Viele denken nämlich, du findest deine große Liebe so, wie du dir im Schuhgeschäft die passenden Schlappen aussuchst. Man geht auf Parship oder Elite-Partner, kriegt alle möglichen Leute angezeigt und dann wischt man die alle auf seinem Bildschirm weg: Die ist zu schön, die sieht zu schlau aus, die ist zu dünn, die ist zu was weiß ich, und wenn du mal meinst, du hättest jemanden gefunden, dann checkst du trotzdem ständig weiter, weil es vielleicht noch was viel Perfekteres geben könnte. Was für ein Elend. Aber so verliebt man sich nicht.

Ich glaube, bei der Suche nach Gott gibt’s so was Ähnliches. Dass du nicht aufhören kannst mit Weitersuchen. Und nicht bereit bist, dich wirklich zu binden.

Das entscheidende aber bei der Suche nach Gott sind drei Sachen, habe ich gelernt: Erstens: Du musst wirklich nach der Liebe suchen. Gott suchen heißt, die Verbindung mit ihm zu suchen. Und ihn zu finden bedeutet, dass da eine Verbindung entstanden ist, das heißt, dass du anfängst ihm wirklich zu vertrauen. Ihn sogar zu lieben. Man kann sich zwar nicht auf Kommando verlieben, aber man muss sich wenigstens verlieben wollen. Wenn man Gott sucht, muss man auch die Antennen ausfahren. Das heißt, du musst nach einer echten Verbindung suchen. Also nicht nach unverbindlichen Antworten fragen, sondern Gott selber ansprechen. Und bereit zu sein für das, was er zu sagen hat.

Dazu macht Jesus den Leuten Mut. Er sagt: „Wer sucht, der findet auch!“ Das heißt: „Wenn du nicht weißt, wo Gott ist, dann frag ihn doch! Such nicht nach Antworten, sondern nach dem, der antwortet! Klopf an! Bitte ihn, sich zu zeigen, er macht das gerne!

Die Antennen auszufahren, damit meine ich die Bereitschaft zum Staunen über das nicht Alltägliche. Für wen das eigene Leben so selbstverständlich ist wie morgens aufzustehen, den interessiert es auch nicht, woher er kommt, was er hier soll und wo er hingeht. Wenn du dich nicht von Gott überraschen lassen willst, wenn du dich nicht wundern kannst, dann wunder dich nicht darüber, dass du von Gott einfach nichts merkst.

Und das zweite ist jetzt: Du musst dich finden lassen. Frag jeden, der sich wirklich mal verliebt hat. Das ist immer so, als wäre man selber gefunden worden, nicht so, als hättest du dir irgendwas ausgesucht wie in der Speisekarte und dann das Passende gefunden. Kennt ihr den Song „Einer von 80 Millionen“ von Max Giesinger: Der staunt genau darüber in dem Song. „Ich hab so gesucht, nie was gefunden, hatte eigentlich schon aufgegeben, und dann bist du gekommen. Und hast mich gefunden.“

Gott zu finden ist eine ähnliche Erfahrung. Es ist wirklich die Überraschung: „Hey, der liebt mich wirklich! Der hat die ganze Zeit nach mir gesucht. In der Geschichte, wo Gott den verlorenen Sohn in die Arme nimmt, bin ich gemeint! Oder wenn der Hirte sein verpeiltes Schaf, das auf der Suche nach Löwenzahn zum Nachtisch in unwegsames Gelände geraten ist, wo man nicht mehr vor und zurückkommt, dann erkenne ich mich wieder!

Wenn du so eine Erfahrung machst, dann hast du Gott gefunden. Und das zeigt auch, wo du mal suchen kannst: in der Bibel. Und zwar, wenn du die Bibel so liest, als stünde in der uralten Schwarte was über dich drin! Wo du gemeint bist. Das auf sich zu beziehen, ist übrigens auch wieder ähnlich wie bei Menschen, die nach Liebe suchen.

Für mich ist die Suche Gottes nach mir ein bisschen so, wie wenn ein kleiner Junge im Kaufhaus verloren geht. (Kaufhaus, kennt ihr das noch? Das ist wie Amazon, aber zum Hingehen.) Also, der kleine Junge geht da verloren. Weil er die Hand von der Mama losgelassen hat und in die Spielzeugabteilung gerannt ist. Und dann nach einer gefühlten Ewigkeit merkt, dass er alleine ist. Im Riesenkaufhaus. Mutterseelenalleine auf der Welt. Und dann rennt er panisch durch die Gänge, sucht und sucht, völlig kopflos, fragt Leute, die ihm leider auch nicht weiterhelfen können. Bis ihn eine beherzte Familie unter die Fittiche nimmt und mit ihm wartet. Auf die Mama. Die sich schon die Hacken abgelaufen hat nach ihrem Jungen. Und dann eine Suchanzeige über den Sprechfunk senden ließ (näselnd): „Gesucht wird der kleine Armin mit Brille und hellblauem Pollunder. Der Junge soll bitte zur Kasse im Erdgeschoss kommen, die Mama wartet schon.“

Als der kleine Junge dann endlich seine Mama wiederhatte, wurde beim atemlosen Erzählen langsam klar, wie lange die beiden aneinander vorbeigelaufen sind. Während der Junge heulend durch die Bettenabteilung eierte, hat die Mama die Feinkostabteilung abgesucht, und als sie in der Bettenabteilung war, irrte der Sohnemann schon durch die Herrenkonfektion. Das hätte noch eine Ewigkeit so weitergehen können. Wenn ihn nicht eine Familie mitgenommen hätte. Und mit ihm gewartet hätte.

Das ist für die Suche nach Gott superwichtig: Du musst anhalten. Und warten. Du wirst gefunden. Das hat Gott versprochen. Die Suche nach Gott bedeutet wirklich, nicht wie blöde überall rumzueiern, sondern still zu halten und zu warten, bis er dich findet. Aber eben so, wie man auf die Liebe wartet. Mit Sehnsucht und mit der Bereitschaft, sich auch finden zu lassen. Nicht indem man weiter im Bällebad turnt und nicht mehr auftaucht.

Und dann ist da noch ein Drittes. Das hat auch eine aus unserer Gemeinde gesagt. Die ist ehemalige Konfirmandin: „Ich finde Gott auch, wenn ich mit anderen darüber rede.“ Und damit seid ihr gemeint. Die Gemeinde. Oder „die Kirche“. Und das ältere Ehepaar, das dachte, sie bräuchten für ihren persönlichen Glauben bloß keine Kirche, die reden wie die Blinden von der Farbe. Denn das Gespräch mit anderen ist für die Suche nach Gott entscheidend: Nämlich dass da diese Familie ist, die dich davon abhält, entweder mit dem nächstbesten mitzugehen oder kopflos weiter durchs Leben zu taumeln, sondern wirklich auf die Mama oder den Papa zu warten. Und Mut zu machen: Indem du die Geschichte vom Hirten hörst, der sein verlorenes Schaf so lange sucht, bis er es gefunden hat. Und wenn du noch nicht gefunden bist, dann sei dir sicher: Gott sucht weiter. Wenn du das glaubst, bist du schon fast gefunden.

Amen.